



Monochrome Materialprozesse: Die Dekonstruktion des Mineralischen
Die präsentierte Arbeit verzichtet vollständig auf gegenständliche Motive und chromatische Ablenkung, um den Fokus auf die physikalisch-chemische Interaktion von Materie und Licht zu lenken. Im Zentrum des Werkes steht das prozesshafte Verreiben nativer, roher Erde direkt auf dem Gewebe der Leinwand. Diese unraffinierte Erde fungiert als mineralischer Füllstoff mit heterogener Partikelgröße. Die Quarzkörner und Tonminerale wirken mechanisch abrasiv, verändern die Viskosität des Bindemittels und erzeugen eine plastische Reliefbildung.
Die visuelle und haptische Dynamik entwickelt sich aus der Synthese dieser Erdstrukturen mit Elfenbeinschwarz, Titanweiß und Zinkweiß als Ölfarben:
- Titanweiß: Bildet aufgrund seiner extremen Deckkraft opake, intensiv reflektierende Lichtkanten, die darunter liegende Erdkrusten optisch abisolieren und maximale Kontrapunkte setzen.
- Zinkweiß: Agiert komplementär dazu lasierend und transparent, legt sich wie ein feiner Schleier über das Relief und lässt die mineralische Textur der Erde sichtbar durchscheinen, während es feine Trocknungsrisse begünstigt.
- Elfenbeinschwarz: Absorbiert das eintreffende Licht fast vollständig, setzt sich mit seinen feinen Kohlenstoffpartikeln in den Vertiefungen der Erdkörner ab und erzeugt extreme optische Tiefenräume sowie plastische Schattenwirkungen.
Das Ergebnis auf der Leinwand ist keine Bildillusion, sondern ein realer, skulpturaler Untersuchungsraum. Das Werk macht die rheologischen Eigenschaften der Ölfarbe, das stoffliche Gefüge der Erde sowie chemische Trocknungsprozesse als ästhetische Phänomene erfahrbar.

