ARTIST STATEMENT
Felizitas Zechmeister: Monochrome Malerei
Meine malerischen Arbeiten knüpfen an die kunsthistorische Tradition der Monochromie an, die das Bildwerk auf den Einsatz einer einzigen Farbe oder die feinen Abstufungen innerhalb einer Farbfamilie reduziert (vgl. Glissant 1999). Doch statt einer starren, flachen Verweigerung von Bildinhalten, wie sie der frühe Minimalismus forderte, widmet sich meine Praxis dem Ausloten von Tiefe, Licht und haptischer Materialität.
Die monochrome Leinwand bricht hier aus ihrer Zweidimensionalität aus und wird zu einem fühlbaren, plastischen Objekt. Indem Pinselstrukturen, Spachtelschichten und Texturen zu einem reliefartigen Körper geflochten werden, wird das Bild im Sinne einer Engaged Pedagogy auch für alternative Wahrnehmungsformen geöffnet (vgl. Kazeem-Kaminski 2016). Die monochrome Fläche verweigert das illustrative Abbild und wird stattdessen zu einem eigenständigen, physisch erfahrbaren Raum, der den Blick und den Tastsinn dekolonisiert (vgl. Dascal 2007).
Diesen Ansatz des kritischen Hinterfragens und „Verlernens“ tradierter Bildstrukturen führe ich in Projekten und Kooperationen – beispielsweise mit dem Kunstverein Braunschweig – direkt mit der kunstvermittlenden Praxis im analogen und digitalen Raum zusammen (vgl. Sternfeld 2014; Meyer 2011).
Quellenverzeichnis
- Dascal, Marcelo (2007): Colonizing and decolonizing minds. Tel Aviv: Tel Aviv University.
- Glissant, Édouard (1999): Poétiques d’Edouard Glissant: actes du colloque international. Paris: P.U.F.
- Kazeem-Kaminski, Belindan (2016): Engaged Pedagogy. Antirassistische und dekoloniale Perspektiven auf Lehre und Vermittlung. Wien: Zaglossus.
- Meyer, Torsten (2011): Next Art Education. Kunstpädagogische Praxis in der Kultur der Digitalität. München: kopaed.
- Sternfeld, Nora (2014): Verlernen vermitteln. Kunstvermittlung als radikale Praxis im Machtraum Institution. Wien: Turia + Kant.